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Zur Problematik von Projekten in weniger industrialisierten Laendern Die allgemeine Vorgehensweise in der Entwicklungszusammenarbeit ist u.a. gekennzeichnet durch nicht diskutierte Mißverstaendnisse zwischen Stadt- und Landkultur. Die Unterschiedlichkeit zwischen den Kulturen wird ignoriert, d.h. die Unterschiede zwischen der Stadt- und Landkultur eines Landes, sowie der unterschiedlichen Kulturen, der westlichen und der westlich orientierten Kultur.
Prozesse werden als Folge von Mißverstaendnissen addiert, multipliziert, potenziert; i.S. von Technikfolgeneinschaetzung mit wissenschaftlich-industrieller Vorgehensweise.
Bei der Installierung von derartigen Projekten handelt es sich eher um verdeckte Arbeitsplatzbeschaffungsmassnahmen mit kurzfristig wirtschaftlichem Denken, eine Art “soziale Wirtschaftlichkeit“ wird ignoriert bzw. nicht erkannt.
Demzufolge ist eine Projektbetreuung, wie sie in TGD* stattfindet unbekannt bzw. jenseits des herkoemmlichen Wirtschaftlichkeitsdenken. Doch gerade diese Projektbetreuung bietet langfristig interessante Moeglichkeiten.
Vorraussetzung dafuer ist ein behutsames Vorgehen; die oft zitierte Nachhaltigkeit erfordert andere Zeitparameter !
Ganzheitlichkeit und Themenvielfalt Bei ganzheitlicher Annaeherung an ein Projekt im laendlichen Raum bemaechtigt sich dem Fremden zunaechst eine gewisse Ratlosigkeit, zunehmend verdichten sich die Fragestellungen und die Suche nach Antworten ist abhaengig vom eigenen Vorstellungen, der Offenheit gegenueber Einheimischen, widerum deren Bereitschaft zum Gedankenaustausch und dem allgemeinen Umfeld. Die Anzahl und Unterschiedlichkeit der Moeglichkeiten im Zusammenhang mit den Fragestellungen ist erstaunlich. So erklaert sich die folgende Themenaufstellung bzw. Vielfalt im Projekt von TGD: • Dollmaking • Education • Tourism • Public Health • Preservation of Cultural Heritage • Oecotechnology • Agriculture, Hydrogeology • Infrastructure • Building & Materials • Marketing & Distribution • Documentation • Networking • Communication & Information
Projektbeschreibung Die Aktivitaeten mit und um Thatta Ghulamka Dhiroka herum lassen sich am besten beschreiben, als die einer dort ansaessigen pakistanischen NGO, die sowohl im Land mit anderen NGOs und Institutionen zusammenarbeitet, als auch international mit anderen NGOs kooperiert. Resultate ethnologischer Forschung dienen als Mittel zur Erzielung von Einkommen fuer Frauen in laendlichen Gebieten durch die Fertigung kunsthandwerklicher Gegenstaende. Schulung und Fertigung stehen im staendigen Kontakt mit der Vermarktung: ohne Verkauf kein Einkommen !
Projekte und die Wirklichkeit In NGO-Projekten kann die Leitung betriebswirtschaftlich vollkommen ueberfordert sein,- man kann auch sagen: darin zeigt sich eine gaenzlich andere Kultur. Die Kennzeichen der Andersartigkeit: - Produzieren ohne Bestellung - Verkaufen ohne Begrenzung, d.h. a) Preise fuer Produzenten werden auf Tiefstmass gedrueckt, b) Erhoehung des Einkommens nach dem Motto: wer weiß, wie lange es geht, deshalb: zugreifen, c) Zusammenhaenge zwischen Fertigung und Verkauf, etc. sind unklar im westlichen Sinne, d.h. relative Unausgewogenheit in der sogenannten Kalkulation, d) Im Geschaeft zwischen den Kulturen herrscht komplette Unbegrenztheit vor, begruendet durch mangelnde Erfahrung und Unkenntnis der Maerkte in den Industrielaendern, e) Die Abhaengigkeit von der Grossfamilie sichert zwar, kann aber auch die Geschaeftstaetigkeit negativ beeinflussen und fuer unueberlegte Geldentnahmen sorgen, besonders dann wenn z.B. Hochzeiten anstehen.
Kunsthandwerk - Oekotechnologie - KIT Abweichen von flaechendeckendem Denken: Im westlichen Denken herrscht die Meinung vor, scheinbar grundsaetzliche Loesungen muessten insgesamt umgesetzt werden. Man kann dies als stringend bezeichnen, aber auch als betriebsblind, eingefahren und engstirning. In Suedasien ueberrascht das Zusammentreffen von erster, zweiter, dritter, vierter Welt; wirtschaftliche Entwicklungen, soziale Bewegungen, wissenschaftliche Erkenntnisse, religioese Bedeutungen lassen sich nicht an festen Grenzen orientieren. • umweltfreundlich (Umweltschutz hat dort eine besondere Bedeutung, wo die Luftverschmutzung durch explosionsartige Produktion am groessten ist • sozial (Der Schutz der Familien erspart der Grossorganisation Kosten fuer entsprechende Betreuungseinrichtungen) • wirtschaftlich - technisch ausgewogen (Weniger ist die Frage bedeutsam, was technisch-wissenschaftlich-wirtschaftlich machbar ist, sondern was insgesamt gesehen sinnvoll ist)
Elemente nachhaltiger Projektentwicklung im laendlichen Raum A. Die Saeulen eines Projektes im laendlichen Raum: - Familie - Feldarbeit - Projektarbeit. Familien - und Feldarbeit sollten als Reichtum angesehen werden, die Arbeit in einem Projekt nur als Zubrot. Dadurch wird die Abhaengigkeit begrenzt und traditionelle Werte nicht zerstoert. Ein negatives Beispiel sind die Angebote der Staedter in Sachen Teppichknuepfen mit den Folgen Kinderarbeit, Ausbeutung durch die Staedter, Vernachlaessigung der Familien- und Feldarbeit.
B. Die Weiterentwicklung im laendlichen Raum bei behutsamer Betreuung: - Kunsthandwerk - Oekotechnologie - KIT. Im Rahmen der Projekte scheinen auf dem Lande besonders wichtig Kunsthandwerk, Oekotechnik und Kommunikations- und Informationstechnik zu sein, ein weiteres Dreier-Modell. Im Gegensatz zur Stadtkultur, die ihre nachwachsende Generation im Industrie-Design schult, so dass man sich hier eher an westlichen Vorbildern orientiert, ist das Kunsthand-werk der Reichtum einer Region. Huetet man sich auch vor der westlichen Produktions-weise, so wird man in Zukunft einen guten Markt fuer die im Industrie-Design einge-muellte westliche Kultur haben. Mit den Mitteln der Oekotechnologie gelingt es der Landbevoelkerung unabhaengig von den Staedtern zu werden, und dennoch technologisch teilzuhaben, z.B. durch Nutzung von Email und mobilen Telephonen lassen sich Auftraege ueber den Horizont eines Dorfes hinaus abwickeln.
Die Oekotechnologie (Solar-cooker, Solar-cooler, Wind-mills, Solar Collector, photp voltaic, etc.) hat deshalb Bedeutung, weil durch ihren EInsatz die Abhaengigkeit von der Stadtkultur gemildert wird. Der oft geforderte Ausbau der Infrastruktur in den Staedten orientiert sich an ueberkommenen Modellen. Diese werden gerne praeferiert, weil dadurch zwar flaechendeckende Anbieter gute wirtschaftliche Moeglichkeiten haben, nicht aber die Masse der auf dem Lande Wohnenden.
Die Informations- und Kommunikationstechnologie auf dem Lande mag nun vollends abwegig erscheinen, aber gerade sie ermoeglicht die Teilnahme der Menschen am grossen Markt, auch wenn dies die Zeit von Millionen Entwicklern und Milliarden Dollar von Geldgebern in den westlichen Laendern erfordert hat.
C. Kooperation im Inland mit: - anderen NGOs - Institutionen wie Universitaeten - Kunden und Bazaren. Nicht nur in der westlichen Zivilisation, sondern auch in traditionellen Kulturen neigt man zu einer gewissen Abkapselung. Erkenntnisse der grossen Außenwelt vertragen sich nicht unbedingt mit Erfahrungen der kleinen Umwelt. Dennoch gilt es Beides sinnvoll zu verbinden. In Thatta Ghulamka Dhiroka (TGD) wird dies durch Einladungen von Professoren und Studenten in das Dorf versucht. Im Rahmen der kunsthandwerklichen Fertigung ist die Zusammenarbeit mit anderen NGOs notwendig, ohne dabei Besitzstandsaengsten Raum zu lassen: die traditionelle Kultur ist im Gegensatz zur Industrie-Kultur reichhaltig. Die Arbeit in einer NGO bedeutet nicht Mildtaetigkeit, sondern erfordert -fast ist man geneigt zu sagen- eine erhoehte Geschaeftstuechtigkeit. Es gilt gegen Massenartikel der finanzkraeftigen Industrie zu bestehen.
D. Kooperation im Ausland mit: - anderen NGOs - Institutionen wie Universitaeten - Kunden und Bazaren. Die technologischen Mittel der Industrielaender ermoeglichen erstmals unbedeutenden NGOs miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren, ohne dabei im Besitz von Zertifikaten von Ausbildungseinrichtungen zu sein. Im Falle der NGO von TGD sind erste Ansaetze vorhanden mit anderen NGOs zu kooperieren, in dem z.B. Materialien ausgetauscht werden.
E. Vernetzung mit Projekten im Ausland - Kamerun - Kolumbien - Dubai, Island z.B. Die Mitwirkung von Voluntaeren aus dem Ausland hat sich segensreich ausgewirkt, so dass nun auch Mitarbeiter der lokalen NGO in Veranstaltungen im Ausland mitwirken, wie z.B. beim Internationalen Dubai Festival, beim Internationalen Workshop auf Island, bei Import-Messen in Berlin usw. Mittlerweile liegen auch Erfahrungen bei den Voluntaeren vor, die beginnen, in den vernetzten Projekten zu wandern.
Zusammenfassung In Zeiten umfassender Veraenderungen ist die Halbwertzeit von Pilot-Projekten stark eingeschraenkt. Wenngleich und trotzdem Leitprojekte realisiert werden und diesen nachgeeifert wird und die Fehlerquote explosionsartig steigt, so sollte man sich auf das Besondere beschraenken. Die Faehigkeiten der Menschen im laendlichen Raum, stark traditionell gepraegt, stellen den Reichtum einer Region dar, ihn gilt es -wie in einem lebendigen Laboratorium- zu erfassen.
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