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Eine neue soziale Bewegung?

Es gibt nichts, was es nicht bereits gibt oder gegeben
       hat; aber: es gibt Haeufiges, das haeufig ist, weil es
haeufig durchgefuehrt wurde.

 
Die erste Begegnung mit  Menschen in einem traditionellen punjabischen Dorf fand im Herbst 1990 auf Einladung eines ehemaligen Studenten in sein Dorf statt. In dem bevölkerungsreichen Punjab soll es über zwanzigtausend solcher Dörfer geben. Der erste Eindruck vermittelte verallgemeinernd: ein armes Dorf,- ein armes Land. Keine Strasse, keine Kanalisierung, keine Schule, keine Elektrizitaet, keine Toiletten, usw. Dreharbeiten zu einem Dolkumantarfilm, die Installierung eines Gesundheitsdienstes, die Gründung einer NGO, der Bau einer NGO-finanzierten Schule,- dies waren erste Ansätze zu einem Dorf-Entwicklungsprojekt, dem ab 1993 Projekte mit einkommen-schaffenden Massnahmen für die Landbevölkerung folgten. 10 Jahre pakistanisch-deutsche Kooperation auf NGO-Ebene klärten den Blick und zeigen zunehmend: Pakistan ist ein reiches Land, mit traditionellen kulturellen, natürlichen und sozialen Resourcen.


Grundlage

Bilaterale Abkommen zwischen Staaten haben in der Vergangeheit fuer wirtschaftliche Entwicklungen und Veraenderungen gesorgt. Inwieweit etwas sinnvoll war oder nicht kann nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Fakt ist, das  haeufig die Mehrheit der Bevoelkerung eines gefoerderten Landes nicht in den Genuss der vorgesehenen und erwarteten Veraenderungen gekommen ist, sondern die Verteilung des Segens von oben nach unten stattgefunden hat. Auch wenn “unten“ kaum merklich etwas angekommen ist, so gab und gibt es gerade dort die gravierendsten, meist nicht erhofften bwz. gewuenschten Auswirkungen.

Die -wohl auch gelegentlich gutgemeinten-  Unterstuetzungen sind ein wesentlicher Output der Stadt-Kulturen, die infolge fehlender Kenntnisse und in Ermangelung der Bemessung dieser Bedeutung, die Land-Kultur zumindestens beeintraechtigen, wenn nicht sogar nachhaltig schaedigen. Eine Abkehr von diesen Verfahren ist schwer vorstellbar, dennoch sollte gerade in der Basis, auf dem Lande, dort, wo traditionelle Kulturen noch lebendig sind, die Resourcen neu erfasst und in Projekte einbezogen werden. Die hierfuer notwendige Vorgehensweise ist  von den ueblichen stark abweichend und im Folgenden dargestellt.


Entwicklungsphasen
Die Projektentwicklung in Thatta Ghulamka Dhiroka kann in 5 Phasen aufgeteilt werden:
1991    Amjad´s Village : Erste Kontaktaufnahmen, Erstellung einer Film-Dokumentation, Urauffuehrung in Deutschland, Fund-Raising fuer eine Jungenschule, erste private Gesundheitsstation zur Versorgung der Dorf-Bevoelkerung.

1993    Thatta Kedona : Aktivierung der Dorffrauen und Aufnahme der Tradition, Puppen zu fertigen. Parallel dazu findet ein Training statt,- quasi von Anbeginn wird erfolgreich versucht Einkommen fuer Frauen im laendlichen Raum zu erzielen.

1995    Village Toys from Pakistan : Zunaechst werden die kunsthandwerklich erzeugten Puppen auf dem lokalen Markt anlaesslich von Bazaren angeboten und verkauft. Ethnologische Forschungsergebnisse werden einbezogen und Ethno-Puppen in den traditionellen Trachten der verschiedenen Provinzen und Minoritaeten gekleidet. Ein neues Frauen-Zentrum wird errichtet und mit Photo-Voltaic betrieben. Erste Einladungen ins Ausland erfolgen.

1998    Handicraft from Pakistan  : Gemeinsam mit dem Export Promotion Bureau werden erstmalig kunsthandwerkliche Erzeugnisse mit anderen NGO´s im Ausland ausgestellt. Erste Auftraege auslaendischer Kunden folgen. Die jungen Dorf-Maenner werden mit einbezogen und fertigen unabhaengig von den Frauen Blechspielzeug und oekotechnologische Produkte.  Einladungen auslaendische Frauengruppen fuehren zu einem Netzwerk fuer das Projekt “Puppen der Welt“. Zum lokalen Netzwerk mit einheimischen NGOs entsteht ein  internationales Netzwerk;  auch in Kamerun und Kolumbien arbeitet die durch die pakistanische Dorf-NGO initiierte Frauengruppe mit anderen NGOs zusammen. Fuer die Verbesserung der Gesundheit der Dorf-Bevoelkerung wird die Ausbildung von Gesundheitshelferinnen betrieben und ein Gesundheits-Zentrum eingeweiht.

2001    Gogera Development Programme : Zunehmend reisen Einheimische, wie auch Auslaender zu Besuchszwecken nach TGD, um dort das Projekt, wie auch das Dorf-Leben exemplarisch kennen zu lernen. Dies erfordert die Einbeziehung der Region in das Projekt. Die vor-pakistanische Geschichte ist dafuer ein wichtiges Element.


Vorgehensweise
Vorarbeiten: Arbeiten in lokalen NGOs nicht-westlich orientierter Laender erfordern als Grundvoraussetzung  nicht politische oder religioese Ueberzeugungen und wirtschaftliche Staerken, sondern in erster Linie eine soziale Infrastruktur. Damit ist eine Verbindung zu den Mitgliedern einer lokalen NGO gemeint. Willkommenheit, Aufnahmebereitschaft an aeusseren Einfluessen, aber auch wirtschaftliche Notwendigkeit sind Voraussetzungen fuer eine erfolgreiche Taetigkeit beider Seiten,- der Einheimischen, wie auch der Eingeladenen.


Anforderungen an Voluntaere
Es sollten vorhanden sein: offene Augen und Ohre, kulturelle Offenheit, und: ehrenamtliche Taetigkeit macht unabhaengig; Weichheit und Widerstandsfaehigkeit sollten vorhanden sein; Enthaltsamkeit von Religion, Politik und Business sind Voraussetzung fuer ein erfolgreiches Coaching.


Voluntaere vor Ort (Jung-mittel-alt) und Ehrenamtlichkeit

Im Laufe der Zeit haben sich drei Formen der Mitarbeit herausgebildet. Die Mitarbeit sollte ehrenamtlich sein. Der Vorteil besteht in einer gewissen Unabhaengigkeit, die  Unabhaengigkeit  wirkt sich in der Moeglichkeit aus, auch unkonventionelle Wege zu beschreiten. Unabhaengigkeit beinhaltet aber auch die Vernachlaessigung bestimmter kultureller Bereiche wie Politik, Religion, - aber auch vorgefasste Loesungsmodelle und Arbeitsansaetze.

Die drei Formen der Mitarbeit beziehen sich auf die Alters- bzw. Lebensumstaende und sind auch im Zusammenhang mit der jeweiligen Finanzierung zu sehen.

• Senioren mit Fachwissen, Berufserfahrungen und Unabhaengigkeit von aeusserem Druck koennen sinnvoll eingesetzt werden. Altersgruppen, die in ihren Heimatlaendern nur von volkswirtschaftlichem Interesse sind, haben die Moeglichkeit Vorstellungen und Ideen von NGO´s umzusetzen.

• Im mittleren Alter befindliche Interessenten koennen eine Aus-Zeit nehmen und in einer gaenzlich anderen Umwelt an  Entwicklungen mitzuwirken, mit dem Nebeneffekt, nach  der Rueckkehr mit neuen Einsichten  beginnen zu koennen.

• Junioren sind in der Regel Berufsanfaenger und in der Ausbildung befindliche. Im krassen Gegensatz zum bisherigen Lebensverlauf werden bisherige Berufswuensche und -vorstellungen verstaerkt oder neue Aspekte und Einsichten werden den Beruf und die Lebenseinstellung kennzeichnen.

In den westlichen Laendern wird der Theoriebildung haeufig ein hoher Stellenwert bemessen, wenngleich bekannt ist, das durch gerade durch die Kombination von praktischer Erfahrung und theoretischen Erkenntnissen Veraenderungen bzw. Verstaerkungen in Strukturen ermoeglicht werden.


NGO-Mitglieder ins Ausland

Voraussetzung fuer eine sinnvolle Taetigkeit im Ausland fuer NGO-Mitglieder sind Kenntnisse ueber das Projekt, d.h. die Betreffenden muessen ueber Wirkung, Funktion und Taetigkeit einer / der NGO informiert sein. Dank des westlichen EInflusses spricht man hier von einer ISO-Zertifizierung, die nicht anderes meint, dass die rechte Hand wissen sollte, was die linke unternimmt und wofuer.
Projektarbeit entspricht dem Leben in Unternehmen u.ae. Deshalb kann sie nie festgelegt sein, sondern sollte flexibel in gewissen Bandbreiten auf die Probleme der Realitaet reagieren.
Die Kenntnisse ueber die Struktur und die Reaktionsmoeglichkeiten, aber auch die Abhaengigkeiten helfen den NGO-Mitgliedern ausserhalb ihres Landes taetig zu sein.
Im Falle Pakistans und unter Beruecksichtigung der gewachsenen Kontakte sind hier die UAE, Deutschland, Island und USA zu nennen.
Erfahrungen konnten  NGO-Mitglieder in UAE (Dubai Shopping Festival),  Deutschland (Import Shop Berlin), Island (Internationale Woche und Workshop) sammeln. Weitere Aktivitaeten sind moeglich und werden bearbeitet.


Ganzheitlichkeit

Am besten wird die gegenwaertige Organisationsstruktur als “Internationale NGO-Kooperation mit Absatzmaerkten in den Projektlaendern und Industrielaendern“ bezeichnet. Sie erfordert eine zusammenhaengende Sichtweise im Projekt und in der Vernetzung von Projekten. Die Nutzung der technologischen Mitel der Stadtkultur (email, etc.) sind hierbei eine wesentliche Hilfe.

Die hinter diesen Zeilen stehenden Erfahrungen mit einer pakistanisch-deutschen NGO-Initiative zeigt die Richtigkeit der Ausfuehrungen. Die pakistanische NGO ist Teil eines Netzwerkes in mittlerweile Kamerun, Kolumbien, UAE und Island, es werden Kunden in Nordamerika, Europa, Australien und Neu-Seeland beliefert, durch die IT ist es moeglich Absatzmaerkte zu finden, allerdings kann hier nie mit Produktionszahlen eines inter-nationalen Konzerns  aufgewartet werden, das Marketing ist nach wie vor aeuserst hart und Bedarf vielfaeltiger Hilfe, auch bleiben leider die nicht-geldwerten Leistungen unberuecksichtigt  (Verbreitung lebendiger Kultur, Schulung des individuellen Geschmacks vs. Industrie-Produktion und Uniformitaet in vielen Bereichen des Lebens: Speisen und Getraenke, Film und Fernsehen,;Tanz, Musik und Malerei; Bildung und Erziehung, veraenderte Wahrnehmung von Farben,  Formen, usw. usf.).

Die angedeuteten Moeglichkeiten koennen leicht von Kritikern zur Seite geschoben werden, aber gerade im wirtschaftlichen Mikrokosmos einer Dorfentwicklung lassen sich die Probleme der Makrooekonomie aufzeigen. Ob hier nun ... genannt wird, mit seiner Theorie des ... oder Probleme der Industrielaender in Form von ... agedeutet werden, etc.


Zusammenfassung
Max Weber praegte den Begriff vom muendigen Buerger. Diesen hat es zu allen Zeiten gegeben, auch wenn  die Regierungsformen anderer Art gewesen sind. Viel Erfahrung macht weise, man hat etwas er - fahren, praktisch erlebt. Viel Theorie in Projekten im laendlichen Raum erfreut nur den Staedter.


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